Chronik des Finanzamtes Gießen

Die ersten Steuerbehörden im Großherzogtum Hessen entstanden im Jahre 1809 als Steuerperäquatur-Bezirke. Wenige Jahre später umorganisiert und geographisch den Landratsdistrikten angeglichen, führten sie danach die Bezeichnung Steuerbezirke.

Diese wurden ab 01.01.1854 in Steuerkommissariate und mit Wirkung vom 23.12.1908 in Finanzämter umbenannt.

Bis zum Jahre 1913 war das Finanzamt Gießen im Hause Gartenstraße 11 untergebracht. Sein Personalbestand umfasste insgesamt ca. 15 Bedienstete. Nach der Umsiedlung Anfang 1914 in die Ostanlage 11 betrug die Zahl der Mitarbeiter einschließlich der Kriegsaushilfskräfte bis zum Ende des ersten Weltkriegs etwa 20 Personen. Nach Kriegsende wurde das Finanzamt in dem Neubau des Amtsgerichts Gießen untergebracht, wo es einige Zeit verblieb, um dann in das Gebäude der alten Klinik in der Liebigstraße umzusiedeln.

Am 01.10.1919 wurden die Finanzämter Reichsbehörden, und im Zuge der nun anwachsenden Fülle von Aufgaben vergrößerte sich auch die Zahl der Angestellten und Beamten. Die Errichtung eines Neubaus in der Goethestraße 58 wurde erforderlich, der im Sommer 1929 bezogen wurde.

Durch die Auflösung der Finanzämter Butzbach, Hungen und Grünberg veränderte sich der Finanzamtsbezirk in den folgenden Jahren und passte sich in seiner Ausdehnung schließlich dem Kreis Gießen an.

Bei den Bombenangriffen auf Gießen am 06.12.1944 und 11.12.1944 wurde auch das Dienstgebäude schwer beschädigt. Durch den tatkräftigen Einsatz aller Bediensteten und der Unterstützung durch heimische Bauunternehmen konnte das Finanzamtsgebäude als erster Großbau der Stadt Gießen noch vor Ablauf des Jahres 1945 wieder hergestellt werden.

Die Zunahme der Aufgaben des Finanzamtes machte 1959 eine Erweiterung des Gebäudes und 1971 die Übernahme der Räumlichkeiten des unmittelbar angrenzenden Versorgungsamts zur Entlastung der beengten Platzsituation erforderlich.

Die erste Nebenstelle war bereits zum 01.04.1952 in der Südanlage 5 eingerichtet worden, zwölf weitere kamen - mit unterschiedlicher Nutzungsdauer - im Laufe der Jahre hinzu. Bis zum Sommer 2004 verteilte sich das Amt mit seinen ca. 670 Bediensteten und etwa 50.000 Besuchern jährlich auf acht Gebäude im gesamten Stadtgebiet: das Hauptgebäude in der Goethestraße 58 und sieben - teilweise angemietete - Nebenstellen in der Südanlage 5 und 14, in der Ludwigstraße 47a und 51, in der Dammstraße 47, in der Marburger Straße 91 und in der Goethestraße 69.

Es gab zahlreiche Versuche, diese Lage zu verändern und mit der Schließung des Bundeswehrkrankenhauses im Jahr 1997 bot sich eine neue Chance. Ende 2000 wurde vom Land Hessen der größte Teil des Geländes des ehemaligen Bundeswehrkrankenhauses in der Schubertstraße 60 erworben und zu einem Behördenzentrum umgebaut. Am 1. Juni 2004 nahm das Finanzamt seinen Dienstbetrieb in den neuen Räumen auf.

Aktuell sind  etwa 500 Beschäftigte im Finanzamt Gießen tätig.