Welche Veranstaltungen werden anerkannt - welche nicht?

Es kann nicht für jede beliebige Veranstaltung eine Freistellung nach dem Hessischen Bildungsurlaubsgesetz (HBUG) bei seinem Arbeitgeber geltend gemacht werden.
Der Anspruch auf Bildungsurlaub besteht nur für Veranstaltungen, die vom Ministerium anerkannt wurden. Veranstaltungen oder Veranstalter suchen.
In der Regel müssen die Veranstaltungen an fünf aufeinander folgenden Tagen stattfinden. Die fünf Tage können auch auf zwei Blöcke zu zwei und drei Tagen aufgeteilt werden – allerdings müssen diese beiden Blöcke innerhalb von acht Wochen abgeschlossen sein. 
Darüber hinaus können in begründeten Ausnahmefällen auch Veranstaltungen mit verkürzter Dauer anerkannt werden. Eine Dauer von drei aufeinanderfolgenden Tagen darf jedoch nicht unterschritten werden. 
Einzelne Tage werden nicht anerkannt bzw. für einzelne Tage kann kein Anspruch geltend gemacht werden. 

Nach dem Hessischen Bildungsurlaubsgesetz (HBUG) können Veranstaltungen: 
1.    der politischen Bildung, 
2.    der beruflichen Weiterbildung sowie 
3.    Schulungen zur Wahrnehmung eines Ehrenamtes
anerkannt werden.

Was ist politische Bildung?
Bildungsurlaubsveranstaltungen der politischen Bildung umfassen alle Bereiche des gesellschaftlich-politischen Lebens. Das Seminarangebot ist ein Spiegelbild aktueller politischer Themen und Auseinandersetzungen und beschränkt sich nicht nur auf Bereiche der Gemeinschafts- oder Staatsbürgerkunde.
Nach dem Hessischen Bildungsurlaubsgesetz muss jede Veranstaltung der politischen Bildung das Ziel verfolgen, das Verständnis der Beschäftigten für gesellschaftliche, soziale oder politische Zusammenhänge zu verbessern, um die Mitsprache in Staat, Gesellschaft oder Beruf zu fördern.
Veranstaltungen der politischen Bildung müssen keinen inhaltlichen Bezug zu dem aktuell ausgeübten Beruf haben.

Was ist berufliche Weiterbildung?
Bildungsurlaub zur beruflichen Weiterbildung hilft den Beschäftigten, ihre berufliche Qualifikation zu erhalten, zu verbessern oder zu erweitern. In Betracht kommen Veranstaltungen, in denen Schlüsselqualifikationen (z.B. Rhetorik, Kommunikation) vermittelt werden sowie Veranstaltungen zu besonderen, berufsübergreifenden Kenntnissen (z.B. EDV, Sprachen) oder zu fach- bzw. berufsspezifischen Aspekten.
Darüber hinaus müssen sich Veranstaltungen der beruflichen Weiterbildung nach dem Hessischen Bildungsurlaubsgesetz neben fachlichen Inhalten zwingend auch mit gesellschaftspolitischen Themen (zu einem Zeitanteil von mindestens 20 %) auseinandersetzen.
Beschäftigte müssen die Inhalte, die sie in Veranstaltungen der beruflichen Weiterbildung vermittelt bekommen, bei ihrem aktuellen Arbeitgeber im Rahmen ihrer ausgeübten beruflichen Tätigkeit gegenwärtig oder voraussichtlich zukünftig verwenden können (Berufsbezug).

Was gilt als Schulung zur Wahrnehmung eines Ehrenamtes?
Durch Schulungen zur Wahrnehmung eines Ehrenamtes sollen Beschäftigte in die Lage versetzt werden, ein übernommenes Ehrenamt ausüben zu können. Neben der Vermittlung der erforderlichen und notwendigen Kenntnisse zur Ausübung des Ehrenamtes sind zugleich auch gesellschaftspolitischen Themen zu einem Zeitanteil von mindestens 20 % zu vermitteln.
Als Ehrenämter i.S. des Gesetzes geltend nur solche, die in Erfüllung staatsbürgerlicher Pflichten zur Stärkung des demokratischen Gemeinwesens oder in sonstigem besonderen Gemeinwohlinteresse ausgeübt werden. Die Bereiche ehrenamtlicher Tätigkeiten für deren Schulungen ein Anspruch geltend gemacht werden kann sind:
•    die Kinder- und Jugendhilfe (insbesondere die Tätigkeit als Jugendleiterin oder Jugendleiter), 
•    die Altenhilfe, 
•    die Hospizarbeit und Telefonseelsorge, 
•    das Sozial- und Wohlfahrtswesen, 
•    Bereiche des Katastrophenschutzes (insbesondere das Sanitätswesen und der Brandschutz), 
•    die außerschulische Jugend- und Erwachsenenbildung, 
•    die Hilfe für Flüchtlinge, Vertriebene und Aussiedler, 
•    der Sport (insbesondere die Tätigkeit als Übungsleiterin oder Übungsleiter) und 
•    die rechtliche Betreuung nach § 1897 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

Nach dem Hessischen Bildungsurlaubsgesetz (HBUG) werden Veranstaltungen nicht anerkannt, wenn sie
•    der Freizeitgestaltung oder Erholung oder
•    der Gestaltung der privaten Lebensführung oder im Rahmen der politischen Bildung überwiegend der Erweiterung der privaten Allgemeinbildung oder
•    ausschließlich der Schulung betrieblicher Interessenvertretungen oder
•    unmittelbar der Durchsetzung partei- oder verbandspolitischer Ziele dienen oder
•    wenn die Teilnahme an einer Veranstaltung von der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft, Partei, Gewerkschaft oder sonstigen Vereinigungen oder Organisationen abhängig gemacht wird.
Veranstaltungen mit solchen Zielsetzungen fallen unter den sog. Negativkatalog des Gesetzes (§ 12 Abs. 2 HBUG).

Darüber hinaus werden Kirchentage, Praktika, Prüfungen, Kongresse, Konferenzen, Messen, reine Online- oder Web-Seminare sowie komplette Studiengänge ebenfalls nicht als Bildungsurlaub anerkannt.

Module eines berufsbegleitenden Studiums können nur dann als Bildungsurlaub anerkannt werden, wenn sie den formalen Voraussetzungen einer anerkennungsfähigen Veranstaltung (eine Dauer von in der Regel fünf aufeinanderfolgenden Tagen mit einem sechsstündigen täglichen Arbeitsprogramm) sowie der Zielsetzung der beruflichen Weiterbildung nach dem Gesetz entsprechen – siehe auch "Was ist berufliche Weiterbildung."